- 02.06.2026
- Martin Herfurt
Cyber Resilience Act: Warum Unternehmen jetzt handeln müssen
Der EU Cyber Resilience Act (CRA) verpflichtet Hersteller von Produkten mit digitalen Elementen zu …
Mehr lesenUrstein bei Salzburg, 17. August 2026 — Der digitale Autoschlüssel am Smartphone ist bequem — und bei allen Tesla-Fahrzeugen ohne Ultra-Breitband-Technik (UWB) grundsätzlich angreifbar. Die toothR new media GmbH, ein österreichisches IT-Sicherheitsunternehmen mit Sitz im Wissenspark Urstein bei Salzburg, das unter der Marke IT-Wachdienst.com kleine und mittlere Unternehmen in Sicherheitsfragen berät, veröffentlicht mit TeslaKee eine Smartphone-App, die zwei seit Jahren dokumentierte Schwachstellen des Bluetooth-PhoneKey-Protokolls praktisch entschärft: den Relay-Angriff, der zum Fahrzeugdiebstahl in Sekunden führt, und die sogenannte BlueBait-Attacke, mit der sich Fahrerinnen und Fahrer über gefälschte Fahrzeug-Signale orten lassen — selbst dann, wenn das eigene Auto kilometerweit entfernt steht.
Tesla-Fahrzeuge entriegeln, sobald sich das gekoppelte Smartphone in Bluetooth-Reichweite meldet. Die eingesetzte Kryptografie ist solide. Die Schwachstelle liegt eine Ebene darüber, in der Logik: Die offizielle App beantwortet jede Authentifizierungsanfrage — bedingungslos, ohne zu prüfen, ob die Situation überhaupt plausibel ist.
Genau das macht zwei Angriffe möglich.
Bei einem Relay-Angriff arbeiten zwei Täter mit zwei handelsüblichen Funkmodulen zusammen. Einer folgt der Fahrzeughalterin ins Einkaufszentrum, der zweite steht am Auto auf dem Parkplatz. Die Funkstrecke zwischen beiden verlängert die Bluetooth-Reichweite künstlich um beliebige Distanzen. Für das Fahrzeug sieht es so aus, als stünde der Besitzer direkt daneben. Das Auto entriegelt, lässt sich starten und wegfahren — während das Handy unberührt in der Jackentasche steckt.

Der Angriff wurde im Rahmen des Projekts TEMPA (trifinite.org) auf Sicherheitskonferenzen live demonstriert und ist als Video dokumentiert („The Tesla Parking Lot Job", https://youtu.be/eDbSzVTYqBY). Er benötigt keine Kenntnis von Passwörtern, keinen Tesla-Account und hinterlässt keine Einbruchsspuren — ein Umstand, der in der Schadensregulierung regelmäßig zu Problemen mit Versicherungen führt.
Neuere Fahrzeuge begegnen dem mit UWB-Distanzmessung: Das Auto misst physikalisch, wie weit das Telefon tatsächlich entfernt ist, und ein weitergeleitetes Signal fliegt auf. Diesen Schutz hat die große Mehrheit der Fahrzeuge jedoch nicht.
Die weltweite Tesla-Flotte mit Bluetooth-PhoneKey wird derzeit auf rund acht Millionen Fahrzeuge geschätzt. Davon sind nur etwa 20 Prozent mit UWB ausgestattet — der Schutz kam erst mit den jüngsten Modellgenerationen und damit erst spät in eine Flotte, die seit Jahren wächst. Für rund sechs Millionen Fahrzeuge bleibt Bluetooth allein die Grundlage des Zugangs, verteilt nach Modellgeneration:
| Modell | UWB erst ab | Ohne UWB (betroffen) |
|---|---|---|
| Model S / X | Modelljahr 2021 (Palladium) | alle älteren S/X |
| Model 3 | Modelljahr 2024 („Highland") | alle Vor-Highland-Model-3 |
| Model Y | Modelljahr 2025 („Juniper") | alle Vor-Juniper-Model-Y |
Erschwerend kommt hinzu: UWB schützt nur, wenn Fahrzeug und Smartphone die Technik beherrschen. Ein Großteil der verbreiteten Android-Geräte hat keinen UWB-Chip. Selbst Besitzer eines neuen Fahrzeugs fallen damit still auf die ungeschützte Bluetooth-Ebene zurück.
Weniger bekannt, aus Sicht des Datenschutzes aber gravierender ist ein Angriff, den die Forschung als BlueBait-Attacke bezeichnet — nach dem Köder, mit dem gearbeitet wird: Die offizielle App antwortet auch auf gefälschte Fahrzeuge. Wer einen nachgebauten Tesla-Beacon betreibt — ein Gerät für wenige Euro — bekommt von jedem vorbeigehenden Tesla-Fahrer eine Antwort des Smartphones. Damit lässt sich zuverlässig feststellen: Diese konkrete Person war zu dieser Uhrzeit an diesem Ort.

BlueBait funktioniert vollkommen unabhängig davon, wo das Auto steht. Die Halterin muss nicht in der Nähe ihres Fahrzeugs sein — es genügt, dass sie ihr Telefon dabei hat. Mehrere solcher Beacons, verteilt über eine Stadt, ergeben ein Bewegungsprofil.
Die Anwendungsfälle sind unangenehm konkret: Stalking, häusliche Gewalt und Nachstellung, verdeckte Beobachtung durch Dritte, kommerzielles Kunden-Tracking im Einzelhandel, das Ausspähen von Fahrzeugen als Vorbereitung eines Diebstahls. Betroffene bemerken davon nichts — es gibt keine Anzeige, keinen Hinweis, kein Protokoll.
Eine technische Dokumentation des Angriffs ist unter https://trifinite.org/stuff/bluebait/ veröffentlicht.
Entscheidend dabei: Gegen BlueBait hilft UWB nicht. Die Distanzmessung greift erst, wenn das Fahrzeug die Nähe des Telefons überprüft — sie verhindert den Diebstahl. Die Ortung entsteht aber schon eine Stufe davor, allein dadurch, dass das Telefon auf eine Anfrage überhaupt reagiert. Von der Ortbarkeit sind deshalb auch Halterinnen und Halter brandneuer Fahrzeuge mit UWB betroffen.
Wer beurteilen möchte, wie sichtbar das eigene Fahrzeug tatsächlich ist, braucht dafür kein Sicherheitslabor und muss auch nichts kaufen. Mit der Android-App Tesla Radar lässt sich nachvollziehen, welche Bluetooth-Informationen ein vorbeifahrendes oder geparktes Tesla-Fahrzeug ungefragt in seine Umgebung sendet.
Am aufschlussreichsten ist dabei der Fahrzeugname: Tesla-Fahrzeuge tragen einen frei wählbaren Bluetooth-Namen, den viele Halterinnen und Halter auf ihren eigenen Vor- oder Nachnamen setzen. Dieser Name wird permanent ausgestrahlt. Wer die App laufen lässt, sieht binnen weniger Minuten im Straßenverkehr, wie viele Fahrzeuge sich damit faktisch namentlich zu erkennen geben.
Tesla Radar ist ein reines Beobachtungswerkzeug: Es sendet nichts, greift auf kein Fahrzeug zu und kann nichts steuern. Die App ist kostenlos (Play Store); ein optionaler Supporter-Beitrag unterstützt die Weiterentwicklung, schaltet aber keine wesentlichen Funktionen frei.
TeslaKee tritt nicht an die Stelle der offiziellen Tesla-App. Es setzt gezielt an der einen Stelle an, die Tesla unsicher umgesetzt hat: dem Bluetooth-Teil, also dem digitalen Schlüssel im Telefon. Genau dort schaltet TeslaKee eine Policy-Engine vor jede Antwort:
Fahrzeug → Authentifizierungsanfrage → [Policy-Engine] → Antwort ODER Schweigen
Passt der Kontext des Geräts nicht zu einer plausiblen Annäherung an das eigene Auto, schweigt die App. Das weitergeleitete Signal des Angreifers läuft ins Leere, das Fahrzeug bleibt verschlossen — und der BlueBait-Köder des Stalkers bekommt schlicht keine Antwort, aus der sich eine Anwesenheit ableiten ließe. Ein und derselbe Mechanismus schützt damit Fahrzeug und Privatsphäre.

Alles, was die offizielle Tesla-App über das Internet leistet, bleibt dort, wo es hingehört: Navigationsziele senden, Software-Updates, Supercharger-Planung, Servicetermine, der Blick aufs Fahrzeug aus hunderten Kilometern Entfernung. Diese Funktionen werden von TeslaKee weder ersetzt noch beeinträchtigt — beide Apps lassen sich parallel betreiben. Für den Parallelbetrieb wird der offiziellen App lediglich der Bluetooth-Zugriff entzogen; ihr Schlüssel bleibt im Fahrzeug hinterlegt, damit sämtliche Cloud-Funktionen erhalten bleiben.
Jede Regel lässt sich einzeln aktivieren und als Pflichtregel (muss immer erfüllt sein) oder optionale Regel (zählt auf ein einstellbares Quorum ein) konfigurieren:
| Policy | Prüfung |
|---|---|
| Bewegungserkennung | Hat sich das Telefon zuletzt tatsächlich bewegt — oder liegt es seit einer Stunde auf der Küchentheke? |
| GPS-Geofence | Befindet sich das Telefon in einer selbst definierten Zone (Zuhause, Arbeit, Stammparkplatz)? |
| Letzter Parkplatz | Passiver Zugang nur dort, wo das Fahrzeug zuletzt abgestellt wurde — inklusive Abgleich der damals sichtbaren Mobilfunkzellen |
| Vertrauenswürdiges WLAN | Ist das Telefon in einem bekannten Netz (SSID + BSSID) eingebucht? |
| Zeitfenster | Passiver Zugang nur zu Zeiten, in denen das Auto realistisch genutzt wird |
| Signalstärke (RSSI) | Ist das Fahrzeugsignal stark genug für echte Nähe? |
| Schrittzähler-Gate | Ist die Person kürzlich tatsächlich gegangen? |
| Höhensperre | Stimmt die barometrische Höhe mit jener beim Abstellen überein? |
| Bildschirmstatus | Wurde das Gerät kürzlich entsperrt, ist die Besitzerin also aktiv? |
| Erlaubte Mobilfunkzellen | Ist das Gerät in einer vertrauten Funkzelle? |
Für legitime Ausnahmen — Fahrzeugübergabe, Werkstattbesuch, Urlaubsparkplatz — gibt es eine zeitlich befristete manuelle Übersteuerung. Ein integrierter Policy-Test zeigt live, welche Regel gerade greift und warum.
Die im Alltag am häufigsten gebrauchten Funktionen sind direkt in der App erreichbar und werden lokal über Bluetooth übertragen. Das funktioniert auch in der Tiefgarage ohne Empfang:
Der Sentry-Modus überwacht das abgestellte Fahrzeug per Kamera — kostet aber Reichweite und protokolliert in der eigenen Garage vor allem die eigene Familie. Deshalb bleibt er bei vielen Fahrern dauerhaft aus. Genau dann fehlt er, wenn es darauf ankommt.
TeslaKee automatisiert die Entscheidung anhand des Parkorts: Außerhalb aller vertrauten Zonen — Innenstadt, Bahnhofsparkplatz, Hotel — wird der Sentry-Modus automatisch aktiviert; innerhalb einer vertrauten Zone wieder abgeschaltet. Dabei werden dieselben Geofences verwendet wie für den passiven Zugang. Die Umschaltung erfolgt im Moment des Verriegelns, und ein schlafendes Fahrzeug wird dafür nie geweckt.
TeslaKee kommt vollständig ohne Internetverbindung aus. Es gibt keinen Tesla-Account, keine Anmeldung, kein Benutzerkonto, keinen Server des Anbieters — die App spricht ausschließlich direkt per Bluetooth mit dem Fahrzeug.
Keine der vertraulichen Zugangsinformationen verlässt jemals den gesicherten Bereich im Smartphone. Der private Schlüssel wird im StrongBox-Sicherheitschip erzeugt und ist von dort technisch nicht auslesbar — auch nicht durch die App selbst, auch nicht durch den Hersteller.
Ergänzend gilt: Ein Schlüssel lässt sich ausschließlich mit physischem Zugang anlernen — mit der NFC-Keycard direkt am Fahrzeug. Zusätzlich überwacht TeslaKee die Schlüsselliste des Fahrzeugs und meldet, wenn ein fremder Schlüssel hinzukommt.
Beide Schwachstellen sind seit 2022 öffentlich dokumentiert. Sie wurden im Rahmen von Projekt TEMPA untersucht und erstmals auf der Sicherheitskonferenz CanSecWest 2022 in Vancouver vorgestellt; seither sind sie samt Demonstrationsvideo frei zugänglich. Bis heute — mehr als vier Jahre später — ist die Lücke in Millionen Fahrzeugen unverändert offen. Mit dieser Mitteilung werden keine bislang unbekannten Details und keine neuen Angriffswerkzeuge veröffentlicht. Neu ist ausschließlich die Gegenmaßnahme.
„Die Verschlüsselung von Tesla ist in Ordnung — das Problem ist, dass das Telefon jede Frage beantwortet, ohne sich zu fragen, wer da eigentlich fragt. Ein Auto, das aufgeht, weil jemand mein Signal aus dem Supermarkt auf den Parkplatz verlängert hat, ist die eine Hälfte. Die andere Hälfte ist, dass ein zwanzig Euro teures Bastelgerät am Straßenrand mitschreiben kann, wann ich vorbeigegangen bin — dafür muss mein Auto nicht einmal in der Nähe sein. Gegen den Diebstahl hilft UWB tatsächlich, aber nur bei neuen Fahrzeugen mit passendem Telefon. Gegen das Mitschreiben hilft es überhaupt nicht: Das Telefon antwortet dem gefälschten Beacon weiterhin, auch im nagelneuen Auto. Deshalb muss die Entscheidung, ob überhaupt geantwortet wird, auf das Telefon — und genau das macht TeslaKee."
DI (FH) Martin Herfurt, IT-Sicherheitsberater bei IT-Wachdienst.com, Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Salzburg und Sicherheitsforscher im Projekt TEMPA (trifinite.org)

TeslaKee ist ab sofort öffentlich verfügbar — für Android ab Version 10, vorausgesetzt wird ein Gerät mit StrongBox-Sicherheitschip (verbreitet ab Baujahr 2019). Kompatibel sind Tesla Model 3, Y, S und X mit Bluetooth-PhoneKey. Für die einmalige Schlüsselanmeldung wird die NFC-Keycard des Fahrzeugs benötigt.
An einer TeslaKee-App für das iPhone wird bereits gearbeitet. Sie setzt dieselbe Policy-Engine um und legt die Schlüssel in der Secure Enclave des Geräts ab. Ein Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest.
toothR new media GmbH · Marke IT-Wachdienst.com
DI (FH) Martin Herfurt, IT-Sicherheitsberater
Urstein Süd 15, 5412 Puch bei Hallein, Österreich
Mobil: +43 676 3787909
E-Mail: presse@it-wachdienst.com
Das Pressepaket mit Langfassung, Kurzfassung, Porträtfoto, Schemagrafiken und App-Screenshots samt Bildunterschriften steht über die Schaltfläche unten zum Download bereit. Für Fachredaktionen bieten wir eine technische Live-Demonstration des Relay-Angriffs und der Abwehr durch die Policy-Engine an.
Terminhinweis: Die von Martin Herfurt organisierte Salzburger IT-Sicherheitskonferenz HXZ.ONE findet am 24. März 2027 im Jazzit Musik Club Salzburg zum dritten Mal statt: https://3.hxz.one/
Hinweis: Die toothR new media GmbH (Marke IT-Wachdienst.com) ist ein unabhängiges Unternehmen und steht in keiner Verbindung zu Tesla, Inc.; es ist von Tesla weder autorisiert noch gesponsert. „Tesla" sowie alle zugehörigen Marken, Logos und Handelsnamen sind Eigentum von Tesla, Inc. TeslaKee kommuniziert über das öffentlich zugängliche Bluetooth-Low-Energy-PhoneKey-Protokoll. Änderungen an Fahrzeugfirmware oder Protokoll durch Tesla können die Funktion beeinflussen.
Bedrohungslage 2026
Künstliche Intelligenz erfindet keine neuen Angriffe – sie macht die bekannten billiger, schneller und überzeugender. Was Angreifer früher Monate gekostet hat, gelingt heute in Stunden. Das Zeitfenster zwischen „Schwachstelle bekannt“ und „Schwachstelle ausgenutzt“ schrumpft dadurch schneller, als die meisten Unternehmen ihre Schutzmaßnahmen nachziehen können.
Das Zeitfenster schließt sich – in Stunden, nicht in Monaten. Wer seine eigene Angriffsoberfläche erst nach dem Vorfall kennt, hat den Wettlauf gegen automatisierte Angriffe bereits verloren. Wir zeigen Ihnen, was Angreifer heute über Ihr Unternehmen sehen – bevor es jemand anderer tut.
Jetzt Angriffsoberfläche prüfen lassenStand: August 2026 · KPMG/KSÖ Cybersecurity-Studie 2026 (1.396 befragte österreichische Unternehmen), IBM Cost of a Data Breach Report 2026, Verizon Data Breach Investigations Report 2026
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